Spiel- und Gestaltungsvorschläge
Märchen sprechen in einer bildhaften, symbolreichen Sprache zu uns. Wir selbst besitzen in unserer Psyche einen ebensolchen märchenhaften Schatz an Bildern. In unserer Psyche kann aber nur "aufgeräumt" werden, wenn wir an unseren Bilder arbeiten können. Es muss also eine Methode angewandt werden, um diese Bilder anzusprechen und aus der Tiefe hervorzuholen. Mit dem Märchen bietet sich uns eine solche Methode, da die bildreiche Märchensprache unsere eigenen Bilder direkt anspricht. Das heißt also, dass beim Märchenerzählen unsere eigenen Bilder in Bewegung geraten und wir emotional lebendiger werden. (Zum Weiterlesen: Verena Kast: Liebe im Märchen; S. 13 ff)

Kinder lassen sich diese intensive Wirkung, die ein Märchen auf sie hat, oft stärker anmerken als ein Erwachsener. Man kann ihnen ansehen, wie sie das Märchen nicht nur hören, sondern geradewegs miterleben; wie sie dem Protagonisten begleitend zur Seite stehen oder selbst zum Helden werden und alle Gefahren bestehen. - Es liegt auf der Hand, dass eine solche Spannung, die durch das Märchen aufgebaut wird, auch wieder gelöst werden muss.

Im Folgenden haben wir ein paar Vorschläge für Sie und Ihre Gruppe, um Ihre Märchenarbeit zu unterstützen. Die zitierten Bücher befinden sich unserer Fachbibliothek und können von Ihnen kostenfrei ausgeliehen werden. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren!
Anfertigen von Schlüsselbildern

Variante 1:
Es werden vom Gruppenleiter im Vorfeld kleine Einzelbilder angefertigt, die ihm beim Erzählen als Gedächtnisstütze dienen können. Diese Gedächtnisstützen sollten möglichst einfache Zeichnungen sein, die in der Mitte ausgelegt werden können.

Variante 2:
Die Schlüsselbilder werden nach der Erzählung von den Zuhörern angefertigt. Das Zeichnen bietet den großen Vorteil, dass die Symbole aus dem Bildgedächtnis abgerufen werden müssen. Die Bilder, die bei der Erzählung in Bewegung geraten sind, können auf diese Weise noch intensiver verarbeitet werden. In einer Collage werden die Bilder festgehalten.

Variante 3:
Die Zeichnungen, z.B. einfache Symbole, werden während des Erzählens angefertigt. Diese Methode erleichtert es vor allem Kindern, die viel in Bewegung sein müssen, sich besser auf die Erzählung einzulassen. Wichtig ist allerdings dabei, dass der Märchenerzähler flexibel auf seine Gruppe reagieren und das Erzähltempo anpassen kann. Im Anschluss wird mit den Zeichnungen eine Collage angefertigt. Eventuell kann dieser Collage noch der Märchentext beigefügt werden. (Zum Weiterlesen: Helga Zitzlsperger: Märchenhafte Wirklichkeiten. Eine Märchenkunde mit vielen Gestaltungsvorschlägen; S. 97 ff)